Langfristiger Leistungsaufbau der Athletik im olympischen Segelsport

 

Ein gut durchdachtes Athletiktraining hat im Segelsport, wie in vielen anderen Sportarten auch, über die letzten Jahre immer mehr an Bedeutung gewonnen und ist im Sinne des langfristigen Leistungsaufbaus nicht mehr wegzudenken. Aufbauend auf einer sehr breiten Anzahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen (Bergeron et al., 2015; Lloyd et al., 2016). Hierbei stehen neben dem Ziel der Leistungsentwicklung auch der Erhalt und die Förderung der Gesundheit der Sportler im Fokus. Um innerhalb des Segelsports hinsichtlich des Athletiktrainings mehr Klarheit zu schaffen und mit veralteten Ansichten aufzuräumen, soll im Rahmen dieser RTK ein aktueller Stand dargestellt werden (Drenowatz & Greier, 2018; Faigenbaum & McFarland, 2016). 

Athletiktraining mit Nachwuchssportlern ist demnach in allen Phasen des langfristigen Leistungsaufbaus möglich. In der Literatur, sowie auch in dieser RTK, wird hierfür häufig eine altersgemäße Zuordnung und Priorisierung der Inhalte gewählt. Diese dienen jedoch nur als Orientierung, da sich eine solche Einteilung nicht eindeutig an dem kalendarischen Alter, sondern vielmehr dem biologischen Alter ausrichten sollte (Büsch et al., 2017; Lloyd et al., 2015). Zudem beeinflusst die individuelle Trainings- und Bewegungserfahrung die Gestaltung des Athletiktraining (Faigenbaum, Lloyd, MacDonald & Myer, 2016).

Wie in der Grafik (Langfristiger Leistungsaufbau im Segelleistungssport) dargestellt, können in jeder Trainingsetappe alle Inhalte trainiert werden, jedoch mit unterschiedlicher Priorität.

Bedingt durch die Komplexität der Sportart Segeln liegt das Hochleistungsalter im Olympischen Bereich in der Regel zwischen 25 und 32 Jahren. Folglich kennzeichnet eine späte athletische Spezialisierung den Segelsport.

Die Trainingsetappen Allgemeine Grundausbildung (AGA) und Grundlagentraining (GLT) sollten zur Entwicklung der grundlegenden Bewegungsfähigkeiten und Bewegungsfertigkeiten genutzt werden. Zu nennen sind hier besonders die Mobilität, Agilität, Balancierfähigkeit, allgemeine Koordination, Bewegungsschnelligkeit und nicht zuletzt die Ausdauer, besonders die aerobe. In der Etappe des Grundlagentrainings hängen Erfolge bei Regatten (noch) nicht oder nur wenig von den athletischen Fertig- und Fähigkeiten der Nachwuchssegler*innen ab. Unabhängig davon gilt es jedoch diesen Zeitraum zur Entwicklung und Ausprägung einer athletischen Basis zu nutzen.

Spielerische Bewegung mit ersten Elementen hin zum athletischen Training dominieren die Trainingsetappen Grundlagentraining. Die Vermittlung eines grundlegenden Verständnisses wichtiger Verhaltensweisen beim athletischen Training wie die Vorbereitung und Nachbereitung einer Belastung und der Zusammenhang zwischen Erholung und Belastung ergänzen die Ausbildungsinhalte. Das Aufbautraining und Anschlusstraining (AST) ist geprägt durch allgemeines Rumpftraining sowie grundlegende und zunehmend spezifische Koordinationsübungen. Das Grundlagenausdauertraining bleibt Bestandteil in diesen Trainingsetappen.

Meist findet die Orientierung und Zuordnung zur final gesegelten Bootsklasse in dem Zeitraum 15 - 17 Jahren statt. Es ist deshalb sinnvoll spätestens im Aufbautraining mit den Vorbereitungen auf ein Training mit Gewichten zu beginnen. Hierzu zählen die Langhantel-Techniken Tiefkniebeuge, Kreuzheben und das Umsetzen. Auch sollten die Basistechniken mit der Kettlebell und den Kurzhanteln Berücksichtigung finden. Eine gute Technikausbildung mit freien Gewichten ist Voraussetzung für die Entwicklung einer Belastungsverträglichkeit und für das Training zur Gewichtskontrolle. Häufig fehlen zum Zeitpunkt des Umstieges in die finale Boots- oder Boardklasse zwischen fünf und zehn Kilogramm Körpergewicht. Dieses Gewichtsdefizit sollte im Verlauf des Aufbau- und Anschlusstrainings ausgeglichen werden. Mittels Krafttraining gelingt dies am ehesten. Eine früh erworbene gute Freihanteltechnik kann als Voraussetzung für das Muskelaufbautraining angesehen werden, das idealerweise mit dem Umstieg beginnt. Volumentraining gelingt allerdings nur mit einer entsprechenden Ernährung. Neben grundlegendem Verhalten wie der Auswahl der Nahrungsmittel, der Zubereitung und dem Wissen um eine sinnvolle Zusammenstellung der Nährstoffe, kann eine individualisierte Ernährungsberatung von großem Vorteil sein.

Bundesweite Leistungstests beginnen in der Regel mit 15 Jahren im Rahmen der Nachwuchskader-Sichtung (NK2) am Bundesstützpunkt Kiel. Dabei fließt unter anderem eine athletische Überprüfung in die Kaderberufung mit ein. Ab Bundeskaderniveau (NK1) findet jährlich eine Kraft-Leistungs-Diagnostik (KLD) sowie eine Sporttauglichkeitsuntersuchung (Grunduntersuchung) statt.

Den längsten und letzten Abschnitt einer Seglerkarriere stellt das Hochleistungstraining (HLT) dar. Dieser Zeitraum kann mitunter zehn und mehr Jahre dauern. Der im Aufbau- und Anschlusstraining primär präventiv angelegte Trainingsschwerpunkt geht langsam in ein eher leistungsorientiertes Athletiktraining über. Das Regenerationsmanagement gewinnt ebenso an Bedeutung wie eine leistungsgerechte Ernährung. Den Hochleistungsbereich kennzeichnet eine starke Individualisierung des athletischen Trainings bezogen auf das jeweilige athletische und seglerische Leistungsprofil.

Bestimmung der Ausdauertrainingsbereiche

Verbesserte Ausdauerleistung durch Krafttraining

Begriffsdefinitionen

Zur Vorbeugung von Missverständnissen folgen Erklärungen wie die nachstehenden Begrifflichkeiten in der Rahmentrainingskonzeption Segeln verstanden werden wollen.

Athletiktraining

Ausdauer

Prävention

Ziel eines gut ausgerichteten Trainings sollte natürlich die Leistungssteigerung sein. Diese ist jedoch nur möglich, wenn der Sportler konstant trainiert und nicht durch Verletzungen oder falsche Schwerpunktsetzung in der Trainingsperiodisierung unterbrochen wird. Insbesondere Verletzungen lassen sich durch ein entsprechendes Monitoring der Trainingsbelastung stark reduzieren, indem man frühzeitig Überbelastungen erkennt.

Auch wenn natürlich jeder Sportler individuell betrachtet werden sollte lassen sich im Segeln typische Beschwerdebilder bzw. Anfälligkeiten erkennen. Durch die den Sport definierenden Belastungen neigen Segler beispielsweise auffällig häufig zu Beschwerden im tiefen Rücken.

Zudem kommt es bei hängenden Segelklassen vermehrt zu Kniebeschwerden. In den meisten Fällen ist dies auf eine dominant ausgeprägte Muskulatur der vorderen Kette, als des Musculus Quadrizeps Femoris sowie des Psoas und entsprechender muskulärer Defizite in der rückwärtigen Streckerkette zurückzuführen. Des weiteren lassen sich bei vielen Seglern deutlich zu schwach ausgeprägte Hüftumgebende Muskulaturen erkennen. Dies betrifft besonders die Gluteal-Muskeln.

Empfehlenswert sind entsprechend regelmäßig durchgeführte Mobilitätsübungen die sowohl den Brustwirbelsäulenbereich als auch die Hüftregion betreffen. Idealerweise werden täglich mind. ca. 10 Minuten für ein ausgeglichenes Mobilitätstraining bzw. einer sogenannten Mobilitätsroutine von z.B. 5 Übungen investiert.

Präventive Übungen zur Stärkung der Hüftmuskulatur:

Joint by Joint Modell

Potenziale des regelmäßigen Warm Ups

Langfristiger Leistungsaufbau (LLA)

 

Eine technisch einwandfreie Ausführung bzw. Beherrschung der Bewegungsformen ist bei allen Trainingsmethoden die absolute Grundvoraussetzung. Darauf aufbauend können je nach Alter entsprechend moderate und intensive Kraftübungen implementiert werden.

Zu Beginn einer Trainingseinheit, also im ermüdungsfreien Zustand, sollten die Koordinations- und Gleichgewichtsübungen durchgeführt werden.

Es ist außerdem empfehlenswert sich an folgenden Grundsätzen zur Steuerung des Krafttrainings von Kindern und Jugendlichen zu orientieren:

- Erst mehrgelenkige, dann eingelenkige Übungen durchführen!

- Erst Einsatztraining, dann auf Mehrsatztraining wechseln!

- Erst leichte Widerstände als Grundlage, dann auf schwere Widerstände wechseln!

- Erst die großen Muskelgruppen und dann die kleinen Muskelgruppen!

Nützliche Hilfsmittel für das Athletiktraining

Die folgend abgebildete Sportausrüstung bietet sich beispielhaft für ein abwechslungsreiches Athletik- und Koordinationstraining an. Schon mit einem überschaubaren Budget können gute Voraussetzungen für die Trainingsgestaltung geschaffen werden. Kleingeräte wie Bälle, Hanteln, Therabänder und Schaumkissen haben den Vorteil, dass sie flexibel und vielseitig einsetzbar sind bezogen auf Einsatzart und Einsatzort. Die Materialien sind daher auch gute Reisebegleiter für auswärtige Trainingslager und Wettkämpfe.

Literatur

Weiteres/ FAQ

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